Im Jahr 2009 waren wir das erste Mal in Rumänien unterwegs und haben ein zwar armes, wenig erschlossenes, dafür landschaftlich und kulturell reiches und reizvolles Land entdeckt. Das Land war gerade der EU beigetreten, aber an der Oberfläche lag noch vieles im Argen.
Das Autofahren war eine schweißtreibende Angelegenheit. Der Fahrstil der Einheimischen war wild und gefährlich, unvermutet erschienen badewannengroße Schlaglöcher oder maulwurfshohe Erhebungen quer über die Fahrbahn vor dem Fahrzeug, selbst auf Straßen mit neuem Fahrbahnbelag. Überall waren Eselskarren oder Pferdefuhrwerke unterwegs, in der Dämmerung normalerweise ohne Beleuchtung,

Landstraße in Siebenbürgen Landstraße in Siebenbürgen
Kirche im Dorf Ocna de fier Kirche im Dorf Ocna de fier

Jetzt, im Jahr 2017 war alles anders. Dank EU-Hilfe gibt es jetzt Autobahnen auf den wichtigsten Verbindungen, die Landstraßen befinden sich durchweg in gutem Zustand. Lediglich auf Nebenstrecken gibt es noch Abschnitte, auf denen sich Schlagloch an Schlagloch reiht.

Pferdefuhrwerke waren kaum zu sehen, die Dörfer wirkten deutlich wohlhabender als noch 2009. Überall sieht man vergleichsweise neue und teure Autos aus europäischer oder asiatischer Produktion.

Doch der Schein trügt: Rumänien bleibt weiterhin eines der ärmsten Länder der EU, das Leben ist nicht einfach und viele Familien leben von dem Geld, das ihre Männer, Frauen, Söhne und Töchter, die sich in wohlhabenderen europäischen Ländern als billige Arbeitskraft verdingen, nach Hause schicken.

Die einzelnen Stationen der Reise waren:

Bukarest

Altstadt von Bukarest Cafés und Restaurants jeglicher Nationalität prägen die Altstadt von Bukarest

Bukarest (rumänisch București) ist die Hauptstadt Rumäniens. Die Stadt gilt als sechstgrößte Stadt der EU. Sie liegt in der walachischen Tiefebene in der großen Walachei zwischen Transsilvanien und dem schwarzen Meer.

Bis 1659 war die Stadt Târgoviște die Hauptstadt eines als Walachei bezeichneten Territoriums. Ab dann löste Bukarest die Stadt als Hauptstadt der Walachei ab und wurde zunächst zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Walachei, im Laufe der Zeit dann von ganz Rumänien.

Die Elite des Landes orientierte sich in diesen Zeiten stark an Frankreich, was starke Auswirkungen auf das Erscheinungsbild der Stadt hatte. Viele prächtige Bauwerke erinnern an diese Zeit. Leider befindet sich so manches davon aufgrund sozialistischer Vernachlässigung und Armut des Landes in renovierungsbedürftigem Zustand.
Die Bezeichnung Micul Paris (kleines Paris) der Einheimischen stammt wahrscheinlich aus diesen Zeiten.

Bukarest ist der ideale Ausgangsort für Ausflüge ins Donaudelta und ans schwarze Meer (welches in Rumänien vergleichen mit Bulgarien teuer ist) und lädt mit der Altstadt mit ihren zahlreichen Kneipen, dem Flüsschen Dâmbovița, seine Parks und Museen zu einem drei- bis viertägigen Aufenthalt ein.

Donaudelta

Das Danaudelta besitzt die größten zusammenhängenden Schilffelder der Welt Das Danaudelta besitzt die größten zusammenhängenden Schilffelder der Welt

Endlose Schilfrohrfelder, schwimmende Inseln, Weiden, Vogelparadies - dies alles kennzeichnet das Biosphärenreservat Donaudelta.
Der größte Teil des Gebiets liegt in Rumänien in der Landschaft Dobrudscha (Dobrogea). Nur ein kleiner Teil des Deltas, ca. 17,5 % liegen auf ukrainischem Staatsgebiet.

Die Donau fließt über drei Hauptarme ins schwarze Meer. Diese sind, von Norden nach Süden, der Chiliaarm, der Sulinaarm und schließlich der Sfântu-Gheorghe-Arm im Süden. Die drei Hauptläufe werden durch Schilffelder, schwimmende Inseln, Altarme, Seen, Auwälder und Trockenbiotope zu einem vernetzten Lebensraum verbunden.

Unser Weg ins Donaudelta führte über das mit dem Kraftfahrtzeug erreichbare Städtchen Tulcea. Von dort gibt es hervorragende Schiffs- und Bootsverbindungen entlang des Sulinaarms. Täglich verkehrt ein preiswertes Linienschiff zwischen Tulcea und dem am schwarzen Meer liegenden Ort Sulina. Zusätzlich erreicht man teurer, dafür erheblich schneller, mit Taxi- und Schnellbooten jedes Ziele im Delta. Wir brachen von Tulcea in Richtung des Dorfs Crişan auf, welches unser Stützpunkt im Delta sein sollte. Die Fahrt mit dem Lienienschiff dauerte von Tulcea aus 4,5 Stunden. Mit dem Taxi-Boot dauerte dieselbe Strecke nur etwas länger als eine Stunde.

Längere Aufenthalte als zwei Tage (ohne An- und Abreise) sind, außer für ausgewiesene Tierbeobachter, nicht lohnenswert. Ausgehend von Crişan bieten sich drei Aktivitäten an (alle Touren ohne Führungen, die Begleiter sprachen in der Regel nur rumänisch und eventuell auch spanisch oder italienisch und waren in jedem Fall extrem maulfaul):

  • Bootsfahrt durch das Wassernetzwerk nach Mila 23. Hierbei sind die von den Hotel angebotenen Touren eher nicht zu empfehlen. Lieber auf ortsansässige Fischer zugehen, diese fahren engagiertere Touren, geben der Naturbeobachtung mehr Raum und haben manchmal kleinere Boote. Unsere vom Hotel organisierte Tour war lieblos, der Fahrer fuhr seine Standardtour und entfernte trotz Bitte nicht den Wetterschutz vom Boot. Auch legte er kein Augenmerk auf Natur- und Tierbeobachtung.
  • Ausflug zum Letea-Wald (Pădurea Letea):
    Das Letea-Gebiet ist eine große maritime Sandbank, aus Dünen bestehend. Dem schweigsamen Fremdenführer zufolge waren die Dünen früher vom schwarzen Meer bedeckt.
    Hier leben auch ausgewilderte Pferde, die heute als Wildpferde betrachtet werden. Wir haben leider keine der Tiere gesehen.
  • Ausflug nach Sulina:
    Die nur per Boot erreichbare Stadt war einst ein wichtiger Fluss- und Seehafen, hat aber heute jegliche Bedeutung verloren.
    Die Stadt besitzt einen bekannten Sandstrand, welcher den Tourismus fördern soll. Ansonsten bietet die Stadt einen Leuchtturm mit kleinem Museum, das vom ehemaligen Glanz der Stadt kündet, einen Friedhof, Kirchen und einige Villen am Kai.

Wenns im Delta nach den Touren langweilig wird, bietet eine Kajakfahrt in den Kanälen noch ein wenig Abwechslung.

Fischsuppe Fischsuppe, eine Spezialität im Delta

Beim Thema Donaudelta kommt die Sprache unweigerlich auf die dortige Spezialität: Eine unvergleichliche Fischsuppe, nach traditionellem Rezept zubereitet.

Auch wenn das Essen in unserem Hotel stets hervorragen war, die Fischsuppen waren zwar keine Enttäuschung, aber keineswegs etwas besonderes. Es gab verschiedene Varianten, die abgebildete Suppe (mit Wels) war mit Sicherheit nicht traditionell und hat die Anmutung nach industriell hergestellten Vorprodukten entstehen lassen.

Eine wirklich gute Fischsuppe habe ich viel später, in einer kleinen Gaststätte am Ufer der Donau nahe des eisernen Tors gegessen.

Banat, eisernes Tor, regnerisches Siebenbürgen

Landschaft in Siebenbürgen Landschaft in Siebenbürgen
 

Rumänien ist im Verhältnis zu Deutschland nicht sehr dicht besiedelt. Daher konnte sich das Land eine im Vergleich wilde oder zumindest naturbelassene Landschaften bewahren.

Neben dem Donaudelta bilden besonders die Karpaten und die Donau im Bereich des eisernen Tores dem Natur- und Wanderfreund Kulisse für abwechslungsreiche Outdoor-Erlebnisse.

Von der serbischen Grenze über die rumänischen Westkarpaten (Banater Berge), durch die Südkarpaten oder das Transsilvanische Becken bei Sibiu oder in den Ostkarpaten bei Brașov: Von sanften Mittelgebirgshügeln bis zu schroffen alpinen Pässen, von riesigen Wäldern bis tief ins Karst gegrabenen Schluchten bleibt kein Wunsch unerfüllt. In den teils riesigen Gebieten leben Bären und Wölfe, Vorsicht sollte man allerdings bei giftigen Vipern walten lassen.

Unsere Route führte diesmal durch die Westkarpaten zwischen Reșița (deutsch Reschitz) und der Donau sowie ins Transsilvanische Becken bis Sighișoara (deutsch Schäßburg).

Trip-Daten:

  • Anreise mit dem Flugzeug Stuttgart-Bukarest
  • Bukarest - Tulcea und zurück mit dem Bus
  • Tulcea - ins Delta (Crisan) mit dem Boot
  • Bukarest - Timesoar mit dem Flugzeug
  • Road-Trip von Timesoar nach Sibiu mit dem Auto
  • Rückreise mit dem Flugzeug Sibiu-Stuttgart